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Das Schneiderhandwerk

 

 

 

In Deutschland ist das klassische Handwerk Luxus geworden

Doch das liegt keineswegs am Handwerk, sondern daran, dass sich die Relationen verschoben haben: Industrielle Massenprodukte sind aufgrund ihrer Fertigung zu Dumping-Löhnen und der großen Magen zwangsläufig deutlich billiger als die individuelle Einzelanfertigung eines deutschen Handwerkers.
Dies betrifft den Schreiner gleichermaßen wie den Schlosser oder den Schneider. Dennoch: Der maßgeschneiderte Gehrock aus feinem Zwirn für den sonntäglichen Kirchenbesuch und sonstige festliche Anlässe ist im Grunde auch heute nicht teurer als er früher war: Er kostet – je nach Einkommen des Auftraggebers – möglicherweise bis zu einem halben Monatslohn. Dies entspricht genau dem Aufwand, den eine solche Anfertigung erfordert.
Nur: Während es vor 100 Jahren keine Alternative gab (und auch nicht so viel Auswahl im Kleiderschrank), findest du im Zeitalter der Globalisierung einen halbwegs passablen Anzug für einen Bruchteil des Geldes. Made in China oder Bangladesch.
Dies ist der Grund, warum in Ländern wie Deutschland das klassische Handwerk als Luxus empfunden wird und zunehmend ausstirbt.

Wenn mich Leute fragen, ob ich vom Schneidern leben kann, dann antworte ich: „Wenn ich reich werden wollte, dann hätte ich etwas anderes als Beruf gewählt…“

Mein Luxus ist besteht darin, eine Arbeit zu haben, die ich mit Herzblut mache. Eigenverantwortlich und ganzheitlich – von der Beratung bis zum fertigen Ergebnis.

Das am Ende des Nähens etwas Neues da ist – Etwas was vorher nicht da war – Und auch ein glücklicher Mensch, der dieses neue Stück mit Freude trägt – Das auch Teil meines Lohns.

 

 

Industrie und Handwerk

Meine Arbeiten sind keine industrielle Massenproduktion, sondern immer individuell auf jeden Kunden zugeschnittene Unikate.

Arbeitslöhne in Deutschland sind höher (und fairer) als in Fernost.

Da nahezu alle in Deutschland angebotenen Textilien industriell in Massenanfertigung im Ausland produziert werden, ist ein Vergleich mit den Handwerksleistungen der Maßschneiderei nicht möglich.

Da kann es schon mal sein, dass eine Änderung fast so viel kostet wie das was du im Laden für ein Kleidungsstück bezahlt hast…

Ich kann die Irritation da manchmal gut nachvollziehen.

Wir sind von der Industrie so erzogen, dass Kleidung nur ein Verbrauchsartikel ist.

Wir sollen möglichst viel davon kaufen und schnell wieder wegschmeißen.

Es gibt immer mehr Kollektionen in einem Jahr und wer modisch gekleidet sein will kauft oft und viel.

Seit Jahren sinkt dabei bei vielen einschlägigen Ketten die Qualität. Oft ist der Stoff dünner als früher, es werden Kleidungstücke mit großen Stichen so zusammengenäht.

Wer kennt das nicht: T-Shirts, die nach dem Waschen nicht mehr aussehen wie vorher, Löcher vielen Kleidern, Jeansnähte die aufreißen, Nähte, die sich auftrennen…

Und was noch schlimmer ist – es wird nicht nur am Material, sondern auch an den Löhnen der Näherinnen und Näher gespart.

Und das nicht nur bei günstigen Diskountern.

 

Mode schlägt Moral

In einem Artikel des Sterns im Februar 2012 ließ der Hugo Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs die Behauptung unwidersprochen, dass der Nählohn eines Anzuges bei 25 Euro liegt.

Selbst erfahrene Schneider würden für die reine Näharbeit ca. vier bis fünf Tage brauchen.

Die Tatsache, dass Billigdiscounter beispielsweise bei der Produktion eines T-Shirts mit Lohnkosten von 13 Cent kalkulieren, finde ich unerträglich.

Ebenso, dass junge Mädchen bis heute ihre Primark-Shopping-Beute begeistert bei YouTube präsentieren, ohne sich die Frage zu stellen, auf wessen Kosten sie sich über ihre Schnäppchen freuen bzw. manche sagen sogar, dass es ihnen egal ist...

 

Und dies ist der Punkt, an dem ich auch persönlich als Schneiderin betroffen bin: Die Überflutung mit Billigtextilien aus Fernost hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Wertschätzung für das Schneiderhandwerk immer geringer geworden ist:

„Der Austausch eines Reißverschlusses ist teurer als der Hoodie selbst!??“

„Ein maßgeschneidertes Kleid kostet über 100 Euro?“


Glücklicherweise wird die Zahl der Kunden, die mir derlei entsetzte Fragen stellen, immer geringer. Darüber freue ich mich. Ein bisschen verändert sich also doch...

 

Mehr Infos zu den Zuständen in der industrieellen Massenfertigung hier:

Eine Dokumentation von 2017 - Mode schlägt Moral - Wie fair ist unsere Kleidung

 

 

Wie kommt es zu den T-Shirt Preisen?

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: http://www.hi5-textildruck.de/

 

 

 

Es gibt unterschiedliche Arten von Schneidern.

Zum Beispiel:

  • Modeschneider, diese nähen nach Konfektionsgrößen meist halb/industriel
  • Änderungsschneider ändern oder reparieren Kleidungsstücke
  • Uniform- und Wäscheschneider.
  • Maßschneidern - Bei diesen gibt es eine Ausbildung mit Fachrichtung Damen oder Herren. Maßschneider fertigen, nach Kundenwünschen und Kundenmaß Bekleidung wie z.B. Mäntel, Jacken, Anzüge, Festkleidung oder Freizeitbekleidung.

 

Schneider arbeiten in der Textil- und Modeindustrie, in Schneiderwerkstätten und Schneiderateliers. Sie sind außerdem häufig in Bekleidungshäusern mit angeschlossenen Änderungsateliers tätig. Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten finden sie in Kostümabteilungen von Theater, Film und Fernsehen.

 

 

Ausbildung zum Schneider

Die Ausbildungszeit zum Änderungsschneider beträgt 2 Jahre.

Für den Bereich Damen- und Herrenmaßschneider 3 Jahre.

Bei der Ausbildung zum Modeschneider kann nach 2 Jahren Ausbildung der Abschluss als Modenäher erworben werden, nach einem weiteren Jahr der Abschluss als Modeschneider.

 

Es gibt zwar Ausbildungen zu den einzelnen Schneiderberufen aber die Berufe sind nicht geschützt. Das heißt jeder kann eine Schneiderei eröffnen ohne eine entsprechende Ausbildung zu haben. Daher ist es wichtig sich über die Qualität der Arbeit zu informieren.

 

 


 

Näherin 1927

Näherin 1927                                                           Quelle: www.commons.wikimedia.org

 

 

Die Aufgaben eines Maßschneiders

...gehen weit über das Nähen hinaus.

Zu den Tätigkeiten eines Maßschneiders gehören:

- die umfassende Beratung der Kunden

- das Erstellen von Entwürfen und Schnittmustern,

- die Anfertigung eines neuen Kleidungsstückes sowie die Änderung oder Reparaturen bereits getragener Kleidung.

 

Im Einzelnen verläuft der Arbeitsprozess eines Maßschneiders folgendermaßen:

Es beginnt mit der Kundenberatung hinsichtlich Schnitt, Stoff und Farbe des zukünftigen Kleidungsstückes.

Anschließend entwickeln Schneider Entwürfe und Schnittmuster.

Die dann folgenden Näharbeiten werden in den meisten Fällen an der Maschine aber auch mit der Hand ausgeführt.

 

 

 

Ich habe eine Ausbildung dreijährigezur Maßschneiderin mit Fachrichtung Damen absolviert.

Ich nähe aber auch Herrenkleidung.

Allerdings keine klassischen Sakkos.

Wohl aber Jeans, Hemden, Hosen, Westen und historische Kleidung…

 

Wer den maßgeschneiderten Anzug wünscht darf sich an erfahrene Herrenschneider/-ausstatter wenden. Die kennen sich mit jedem noch so kleine Detail des modernen und klassischen Anzugs aus…

 

Schneidern im MittelalterSchneidern im Mittelalter

Quelle: www.golden-pattern.online.de

Schneider-1568 Schneider1568

Quelle: www.commons.wikimedia.org

Der Schneider mit seinen Gehilfen 1774 Der Schneider mit seinen Gehilfen 1774  Quelle: www.commons.wikimedia.org

 

Das Schneiderhandwerk ist ein altes Handwerk und entstand im 12. Jahrhundert.

Davor wurde die Kleidung in Klöstern oder von den Menschen selbst hergestellt.

 

Berufsbeschreibung von 1827

"Die hauptsächlichste Wissenschaft eines Schneiders besteht nicht nur

darin, daß er die Zeuge nach dem Maaße mit Vortheil zuschneide, die

Kleider, nach der verschiedenen Beschaffenheit der Körper, die er

bekleiden soll, richtig anpasse, und hierzu ein richtiges Maaß nehme,

auch nach dem Augenmaaße und bloßen Ansehen es richtig anpasse oder zu

treffen wisse, sondern auch, daß er zweckmäßige neue Moden erfinde, und

allerlei fremde Trachten bei großen Bällen etc. anzugeben wisse, oder

doch nach der Anleitung Anderer arbeiten könne. Er muß einem

verwachsenen Körper durch Wattirung desjenigen Theils, wo er Höhlungen

bildet, ein besseres Ansehen zu geben suchen; überhaupt durch seine

Kunst Alles anwenden, dem Körper ein schönes Ebenmaaß zu geben, welches

er Alles durch Wattirungen der Kleidungsstücke erreicht. Ferner muß er

die Güte und den Preis der Waaren, welche er verarbeiten soll, genau

kennen......"

 

Krünitz Artikel "Schneider": Ökonomisch-technologische Enzyklopädie, Band 147 (1827),

S.402 elektronische Ausgabe der Universitätsbibliothek Trier

 

Bretonische Schneiderinnen 1854 Bretonische Schneiderinnen 1854

Quelle:www.commons.wikimedia.org

Der Dorfschneider 1894 Der Dorfschneider 1894

Quelle: www.commons.wikimedia.org

Das neue Kleid Das neue Kleid 1889

Quelle: www.commons.wikimedia.org

 

 

Redensarten mit Schneider:

Das Schneiderhandwerk stand in früheren Jahrhunderten in geringem Ansehen und wurde viel verspottet. Vieles davon hat sich redensartlich erhalten. So galt der Schneider als arm, schmächtig und schwächlich, weil er wenig Einnahmen hatte und ein "Stubenhocker" war. Dieser angeblichen Empfindlichkeit liegt die Redensart "frieren wie ein Schneider" zugrunde. Weniger geläufig sind heute Redensarten wie "essen wie ein Schneider" (sehr wenig essen) und "laufen wie ein Schneider" (schnell laufen, da man dünn und behende ist wie ein Schneider). Verspottet wurden auch die (häufig vergeblich angemahnten) Lohnforderungen der Schneider. So gab es die heute fast vergessene spöttische Einlassformel "Herein, wenn's kein Schneider ist!" Sie wird gebraucht, wenn jemand anklopft und man nicht weiß, wer vor der Türe steht. Die Armut des Schneiders führte zu dem Fachausdruck "Schneider sein", der beim Kartenspiel bedeutet: mit weniger als 30 Punkten verloren haben. Daher auch die Redensart "aus dem Schneider sein"

 

Es gibt aber auch das Märchen vom "tapfen Schneiderlein"...

 

 

 

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»Warum sollen wir
uns alle nach derselben
Mode kleiden?
Der Frost malt mir
nie dieselben
Eisblumen zweimal
an mein Fenster.«

Lydia Maria Child

 
 

Ich bin gelernte Maßschneiderin und erarbeite mit dir gerne dein individuelles Kleidungsstück und suche gemeinsam Stoffe und weitere Materialien aus. Komm mit deinen Ideen und Vorstellungen zu mir, ich höre genau zu und berate kompetent.